Des Reptils Zuhause

Das Terrarium, Behausung des Reptils.

Die Ansprüche an das Terrarium können kaum unterschiedlicher von Halter zu Halter und Reptil zu Reptil sein.  Der Halter stellt primär die Anforderungen, wohin das Becken gestellt werden soll/kann, wie es sich optisch in die Räumlichkeiten integrieren lässt und was es kostet. Die Ansprüche des Reptils sind weniger ästethischer oder monetärer Natur. Das Reptil, in unserem Fall überwiegend die Kornnatter, benötigt einen Platz, in dem sie sich frei bewegen kann und gleichzeitig das Gefühl hat, sicher zu sein. Anders formuliert, der Kornnatter ist es egal, ob das Terrarium nun zum Teppich passt, in Omas alte Vitrine gestellt werden kann oder zu teuer ist. Sie braucht es einfach! Eine Schlange ist kein Tier, welches man so frei in Wohnung halten kann, das Terrarium kein Katzenklo, welches man, wenn Besuch kommt mal eben auf den Balkon stellt. Kurzum, das Terrarium ist analog zur Kornnatter  - die ein langjähriger Begleiter des Halters ist - ein optisch präsenter Gegenstand, ein Möbelstück, welches nur weichen sollte, wenn die Kornnatter größer wird und mehr Platz fordert.

 

Sämtliche Angaben hier sollen bitte als Vorschläge oder Richtwerte verstanden werden. In privater Hand wird eine Kornnatter nie ein adäquates Zuhause finden, was ihr in freier Wildbahn geboten werden würde. Ebenso gibt es gesetzliche Bestimmungen, was weniger die reine Größe, sondern die Seitenlängen des Terrarium vorgibt, aber dazu später noch mehr.

 

In der heutigen Zeit, in der das Reptil mehr und mehr zum Haustier avanciert und die Kornnatter gern als "Einsteigerschlange" angepriesen wird, gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Terrarien zu erwerben - in der Regel recht günstig. Allen vorran ist das bekannte Vollglasterrarium.

 

 

Das Glasterrarium

 

Ein Glasterrarium hat in der Regel an der Front unten einen horizontalen Steg mit integriertem Lüftungsgitter, worauf noch die E-Profile liegen für die Schiebescheiben. Für die Abluft ist meistens auf der Deckenplatte ein Lüftungsgitter - meistens ein Lochblech aus Aluminium - eingesetzt. Sämtliche Seiten bestehen aus Glasplatten aus sogenanntem Floatglas. Die Dicke beträgt bei kleineren Becken 4 mm, bei größeren Becken mit einer Seitenlänge über 1,40 m ist das Glas meistens schon 6 mm dick. Neuere Becken bieten zudem Bohrungen auf der Rückseite, wenn Heizkabel oder -matten im Inneren verlegt werden sollen.Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, jede Art von Rückwänden (siehe hierzu auch das Kapitel Rückwände) mittels Silikon fest zu kleben. Für den Halter besitzt es den Vorteil, dass das Becken von allen Seiten her einsehbar ist - gleichzeitig ein Nachteil für das Tier im Inneren, besonders in einer stark frequentierten Umgebung. Hier ist es sicherlich von Vorteil, wenigstens eine der Seitenwände abzukleben. 

 Glasterrarium
Weiterer Sichtbarer Nachteil ist das Anbringen von Heizstrahlern. Einzige Befestigungsmöglichkeit ist das Lochblech in der Deckenplatte. Bei manchen Exemplaren befindet sich das Gitter jedoch im hinteren Bereich, wodurch ein Anbringen von Fassung und Schutzkorb erschwert wird.

 

Die Nachteile hingegen liegen auf der einen Seite in der allgemein üblichen Konstruktionsart. Die Lüftungsgitter sind sehr großflächig, damit besteht eine wesentlich höhere Zirkulation, als eigentlich notwendig wäre. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass es besonders in schwer beheizbaren Altbauten im Inneren zugiger werden kann als man gemeinhin annehmen möchte. Bei einer Kornnatter, die klimatisch in unseren Breiten beheimatet ist, mag das weniger tragisch sein, Halter von subtropischen oder tropischen Tieren sollten dies beim Kauf oder Bau unbedingt beachtet werden. Hinzu kommen die schlechten thermischen Eigenschaften von Glas. Ein offen stehendes Glasbecken von beispielsweise 400 Liter adäquat für eine Kaiserboa zu beheizen ist in einer Durchschnittsumgebung von 20 °C kaum möglich. Gängige Keramikstrahler gehen bis 250 Watt Leistung, die können schnell unterdimensioniert sein.

 

 

 

Das Vollholz-Terrarium

 

Eine weitere Möglichkeit für ein Terrarium ist das Vollholz-Terrarium. Wie der Name schon sagt besteht aus komplett aus Holz. Mögliche Materialien sind hierbei entweder Spanplatten oder OSB-Platten. Auch Tischlerplatten lassen sich hierfür verwenden, in puncto Formstabilität und optischer Eindruck haben sich aber OSB-Platten mit ihrer sichtbaren Maserung gut bewährt. Allerdings ist seit einigen Wochen der Preis für eben jene Platten enorm gestiegen. Haben wir vor einem Jahr noch 6,99 € / m² mit 15 mm Stärke bezahlt, liegt der aktuelle Preis mit 14,99 € deutlich darüber. Wobei die enormen Preissteigerungen sich nicht ausschließlich auf OSB-Platten beschränken, eigentlich jede im Baumarkt erhältliche Zuschnittplatten wurden deutlich teurer. Bei kleineren Becken mag sich der Mehrpreis nicht so stark auswirken, wer jedoch mehrere bauen möchte oder ein größeres Terrarium plant, wird schnell feststellen, das vom attraktiven und günstigen Baustoff nur noch die Attraktivität übrig blieb.

Holzterrarium
Holzterrarium mit integriertem Beleuchtungskasten. Gut erkennbar die vorderen Lüftungslöcher.

Aber unabhängig dieser Widrigkeiten empfiehlt sich der Werkstoff Holz aus mehreren Gründen. Auf der einen Seite lässt er sich beliebig farblich streichen - sofern es keine beschichteten Spanplatten sind. Damit kann der Terrarianer sein Terrarium der Umgebung anpassen, beispielsweise wenn das Terrarium auf eine Holzkomode gestellt wird oder im Wohnzimmerschrank seinen Platz finden soll.

Ein weiterer Vorteil ist die Verarbeitbarkeit. Bohren, sägen, fräsen, alles kein Problem. Auch was die Maße angeht, sind dem Handwerker hier keine Grenzen gesetzt. Ob ein klassisches Rechteckterrarium, ein Terrarium für die Dachschräge oder ein Eckterrarium, ein wenig handwerkliches Geschick vorrausgesetzt ist alles möglich. Hier kann man noch anmerken, dass sich hier gleich der Lichterkasten auf dem Terrarium mit in die Anlage integrieren lässt. Damit ist die Elektrik aufgeräumt und oben ist noch Platz für ein paar Blumen.

Der interessanteste Aspekt bei Holz liegt in den besseren Wärmeeigenschaften im Vergleich zu Glas. In Kombination mit kleineren, dafür sinnvoll angeordneten Belüftungslöchern lässt sich ein Holzterrarium deutlich einfacher, sprich günstiger beheizen.

 

 Beleuchtungskasten im Holzterrarium
Integrierter Beleuchtungskasten im Holzterrarium. Seitlich ist eine Steckdosenleiste angebracht für Zeitschaltuhr und Thermostat. In die Deckenplatte wurde eine Glasplatte eingefasst. 

 

Natürlich gibt es auch Nachteile an einer reinen Holzkonstruktion. Meistens werden die einzelnen Platten miteinander verschraubt. Werden die Platten zusätzlich verleimt, ist an ein auseinander bauen beispielsweise bei einem Umzug nicht mehr zu denken. Unabhängig davon muss man bedenken, dass Holz grundsätzlich weniger gut auf Wasser reagiert als Glas. In unserem Fall mit Kornnattern als Bewohner, wo man täglich etwas sprüht ist das weniger ein Problem. Die Platten werden von uns mit Kinderspielzeug-tauglichem Acryllack 2-3 mal gestrichen. Damit hält das Holz lange genug, meistens wird eher das Becken aus anderen Gründen ersetzt. Bei subtropischen oder gar tropischen Terrarienbewohner stößt Holz schnell an seine Grenzen. Einzig Siebdruckplatten, bekannt aus beispielsweise Anhänger im landwirtschaftlichen Bereich sind resistent gegen erhöhte Feuchtigkeit. Bieten aber dafür nicht mehr die optischen Vorteile.

 

 

 

 

Terrarien aus unterschiedlichen Komponenten

 

Eine dritte Möglichkeit ein Terrarium zu bauen besteht im Einsatz verschiedener Komponenten. Soll heißen, dass ein Rahmen aus einem anderen Material besteht als Wände, Boden und Deckenplatte. Ein Beispiel wäre ein Holzrahmen, die Flächen sind dann mit Glasplatten ausgestattet. Eine andere und durchaus attraktive Variante ist der Einsatz von Aluminium-Profilen als Rahmen.

Block 1
Terrarienkonstruktion mit Aluminium-Profilen und OSB-Platten. Die vier Becken sind in der Mitte getrennt. Dort ist der Sicherungskasten für die Becken sowie Stauraum integriert für Reinigungsmittel und was sonst noch täglich benötigt wird.

Die Profile sind Vierkantprofile, in der Regel nimmt man die mit 25 mm Durchmesser. Die Profile werden mit verschiedenen Stegen angeboten. Also vom einfachen Vierkantprofil bis hin zu 3 Doppelstegen ist alles dabei. Die einfachen Stege eigenen sich hervorragend um an ihnen die Wände mittels Silikon oder Schrauben zu befestigen. Als Vertreiber von Aluminium-Profilen sei die Firma 3D-Plastik in Mönchengladbach lobend zu erwähnen. Dort wurde damals die gesamte Anlage in Einzelteilen bestellt. Bei all den verschiedenen Profilen, Längen, Gärungsschnitten und Steckverbindern war nicht ein einziges falsches oder fehlerhaftes Teil dabei. Lieferung ging sehr schnell, Bestellung wunderbar. Wo schon die Steckverbinder erwähnt wurden, die Profile werden mit eben genannten Verbindungsstücken einfach zusammen gesteckt. Diese gibt es in Kunststoff oder Kunststoff mit Stahlkern für eine höhere Stabilität. Grundsätzlich würde ich bei größeren Anlagen die paar Euros zusätzlich investieren. Weiterhin gibt es auch unterschiedliche Arten von Füßen, die in den Verbindungsstücken integriert sind oder auch Scharniere, die wir für die Beleuchtungskästen verwendet haben. 

Bekanntlich macht Übung den Meister und wir haben auch den einen oder anderen kleineren Fehler bei der Planung bzw. beim Zusammenbau gemacht. Aluminium ist ein Metall, welches sich relativ leicht biegt. Je länger ein einzelnes Profil ist, bevor ein stützendes Element kommt, desto stärker biegt sich dieses bei Belastung durch. Unsere Becken sind allesamt 1,60 m lang. Da reicht die Belastung einer Boden- /Deckenplatte aus 15mm OSB aus, dass sich das Längsprofil in der Mitte um ca. 1 mm nach unten biegt. Von daher ist es auch bei den Boden- / Deckenplatten wichtig, dass diese nicht nur reingelegt, sondern auch mit den Profilen ausreichend verbunden werden mittels Schrauben oder Kleber/Silikon. Damit minimiert man dieses Problem. Soll das Becken länger als 1,60 m werden, wäre zu überlegen, ob der Bereich der Beleuchtungskasten nicht zweigeteilt wird mit einer zusätzlichen senkrechten Verstrebung. Dann wäre die Deckenplatte des Beckens sowie die Deckenplatte des Beleuchtungskasten bzw. die Bodenplatte des Terrarium darüber zwar zweigeteilt, die kürzeren Profilstücke verhalten sich aber deutlich stabiler. 

Als weitere Empfehlung aus unserer Erfahrung heraus sollten auch zuerst die Wände eingebaut werden inklusive der kleinen Frontblende. Die Verbindungen an allen Seiten stabilisieren das gesamte System. So kann im Extremfall auch keine Lücke zwischen Frontblende und unterem Profil, auf der die Bodenplatte liegt, entstehen. Ein weiterer Punkt der zu beachten ist, dass die Platten, die eingesetzt werden sollen, ein wenig Untermaß aufweisen. So stabil die Steckverbindungen sind, wird eine Seitenwand mit roher Gewalt reingehämmert, zieht es die Profile leicht aus den Verbindungen raus. Da reicht ein Übermaß von 0,5 mm schon aus, dass die Seitenlänge unten breiter ist als oben und man sich nachher wundert, warum die Schiebescheiben einen Spalt aufweisen. Wenn man es ganz genau haben möchte, sollte ein Elektrohobel bereit liegen um die Platten entsprechend anzupassen. Optimal ist ein Einsatz mit minimalem Widerstand. Die Profile werden nicht auseinander gedrückt, im Gegenzug liegen die Platten Stoß an Stoß an die Profile an und stützen die Anlage zusätzlich.

 

 

Alternative Materialien

 

Eine Alternative zu Glas oder OSB bzw. Holz im Allgemeinen stellt der Kunststoff Forex dar. Dies sind Hartkunststoffplatten, die sich im Grunde genauso gut bearbeiten lassen wie Holz. Es lässt sich ebenso leicht sägen, bohren oder fräsen. Es sind ebenso unterschiedliche Stärken zu haben. Im Gegenzug ist Forex im Vergleich zu Holz deutlich teurer. Wir selbst haben noch keine Erfahrungen mit Forex gemacht, aber viele schwören auf dieses Material als extrem beständig und mit nochmals deutlich besserem Isolierungsverhalten im Vergleich zu Holz. Es ist absolut wasser-unempfindlich, es lässt sich in unterschiedlichen Farben bestellen, mit manchen Lacken soll es auch streichbar sein und ist dabei nur geringfühig schwerer als beispielsweise OSB. Besonders für Tropenterrarien eine lohnenswerte Investition. Der einzige Punkt, der beachtet werden will, ist beim Einsatz von Reinigungsmittel. Es gibt eine entsprechende Liste der chemischen Beständigkeit von Forex. Es ist gegen viele, aber eben nicht alle chemischen Verbindungen resistent.

 

 

Zubehör, Elektrik und warum bei größeren Anlagen ein eigenes Sicherungssystem von Nutzen ist

 

Wie bereits oben schon ersichtlich ist, haben unsere Becken alle einen eigenen Beleuchtungskasten. Zum einen, weil es nicht schön aussieht, wenn alle frei oben auf dem Terrarium liegt. Zum anderen lassen sich so mehrere Becken problemlos stapeln. Je nach Bedarf des Tieres benötigt der Terrarianer eine teils stattliche Ausrüstung pro Becken. Licht ist nicht gleich Licht, vorallem wenn es zusätzlich flächtig oder punktuel heizen soll. Heizung ist ebenso obligatorisch, ob diese dann im Hochsommer Urlaub bekommt steht auf einem anderen Papier. Und das Ganze soll inklusive einer möglichen Beregnungsanlage zeitlich und temperaturabhängig gesteuert werden. So liegen im Schnitt zwei bis drei Stecker im Beleuchtungskasten, die es nach einer Steckdose dürstet. Der einfachste Weg ist der Einsatz von Mehrfachsteckdosen. Wir haben uns dazu entschlossen, aus dem Baumarkt Aufputzdosen zu verwenden. Diese werden dann mit einem Sicherungskasten verbunden. Ein Sicherungskasten ist sicherlich teurer als nur ein paar Mehrfachsteckdosen zu verwenden, aber bietet auch einige Vorteile. Ein Vorteil wäre die Möglichkeit, ein Becken, welches temporär nicht benötigt wird, einfach per Schalter vom Netz zu trennen, ohne die elektrischen Geräte ausstecken zu müssen. Damit ist es auch bei einem erneuten Einsatz sofort wieder startklar. Ein weiterer Vorteil ist die zusätzliche Absicherung. Wir haben in unserem Sicherungskasten zu den vier normalen Sicherungen einen FI-Schutzschalter integriert. Die normalen Sicherungen sollten kleiner gewählt werden als die Zimmersicherung, also unter 16A. Von den normalen Sicherungsautomaten gibt es günstige mit 10A, was in alle Richtungen mehr als ausreichend ist. So lösen diese aus, bevor die Zimmersicherung auslöst, gerade wenn man kein eigenes Schlangenzimmer hat, sondern noch andere Geräte wie PC´s oder TV, gehen bei einem Defekt nicht gleich alle Lichter aus. Als Beispiel können wir eine kleine Anekdote anbringen. In den unteren Becken der großen Anlage haben wir 250 W Keramikstrahler installiert. Einer dieser Keramikstrahler war eine Fehllieferung, die ursprünglich für den amerikanischen Markt gedacht war. Das heißt, dass der Strahler für das dortige 110 Volt Netz ausgelegt war. Im hiesigen 230 Volt Netz leistete der Strahler unfreiwillig 480 W, was weit jenseits der Toleranzen liegt. In diesem speziellen Fall löste weder die FI- noch die übrigen Sicherungen aus. Erst als der Strahler durchbrannte und ein paar ordentliche Funken durch das Terrarium flogen, wurde abgeschaltet, dann aber prompt. Zum Glück testen wir derartige Einrichtungen im Trockenzustand ohne Streu und Bewohner im Vorfeld aus. Aber so verhinderte die Sicherung, dass der Strahler zu lange vor sich hinschmort, gleichzeitig verhinderte dies ein Auslösen der Zimmersicherung, was unsere beiden PC´s gleich mit abgeschaltet hätte. 

 

In den weiteren Unterkapiteln zeigen wir euch unsere Terrarien im Detail und geben noch ein paar weitere Tipps zum Eigenbau. 

 
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